Ein Sturz dauert eine halbe Sekunde – die Folgen begleiten viele ältere Menschen oft für den Rest ihres Lebens. Die Wohnung, in der jemand seit Jahrzehnten sicher lebt, wird durch nachlassende Kraft, Sehschwäche oder ein neues Medikament plötzlich zur Risikozone. Für pflegende Angehörige in Frankfurt heißt das: Vorbeugen ist möglich, aber es braucht Systematik statt Bauchgefühl. Diese Checkliste führt Sie Raum für Raum und Schritt für Schritt durch die wichtigsten Maßnahmen.
Das Wichtigste in Kürze
- 2022 waren 23,8 Prozent der Menschen ab 65 Jahren mindestens einmal gestürzt – bei den ab 80-Jährigen sogar 33,5 Prozent.
- Sturzprävention verfolgt zwei Ziele: Stürze vermeiden UND Sturzfolgen mindern.
- Die Einschätzung des Sturzrisikos ist kein einmaliger Vorgang, sondern muss bei jeder Veränderung der Pflegesituation aktualisiert werden.
- Zuschüsse für wohnumfeldverbessernde Maßnahmen müssen VOR Beginn der Umbauarbeiten von der Pflegekasse genehmigt werden.
- Bewegung, Kraft- und Balancetraining sowie regelmäßige Medikationsanalysen sind die wirksamsten Präventionsbausteine.
- Nach einem Sturz gehören Dokumentation und eine neue Risikoeinschätzung genauso dazu wie die Erstversorgung.
Lesezeit: 8 Minuten
Inhaltsverzeichnis
- Warum Sturzprävention im häuslichen Alltag zählt
- Sturzrisiko erkennen: die Warnzeichen
- Die Wohnung sturzsicher machen und Bewegung fördern
- Wenn es doch passiert: Notfall und Nachsorge
Warum Sturzprävention im häuslichen Alltag zählt
Stürze sind im Alter kein seltenes Missgeschick, sondern ein statistisch dominierendes Risiko – und der häusliche Bereich ist der häufigste Ort dafür.
Die Zahlen sind eindeutig: 2022 waren 23,8 Prozent der Menschen ab 65 Jahren mindestens einmal innerhalb von zwölf Monaten gestürzt, bei den ab 80-Jährigen stieg der Anteil auf 33,5 Prozent (Robert Koch-Institut). Für Sie als Angehörige bedeutet das: Je älter der pflegebedürftige Mensch, desto weniger ist ein Sturz eine Ausnahme – und desto konsequenter lohnt sich Vorbeugung.
Wichtig ist der Leitgedanke dahinter. Der DNQP-Expertenstandard Sturzprophylaxe stellt klar, dass es nicht ausschließlich darum geht, jeden Sturz zu verhindern – das ist unrealistisch. Handlungsleitend ist die Verminderung von Sturzfolgen. Wer sich weiter bewegt, aber abgesichert, lebt sicherer als jemand, der aus Angst erstarrt.
Und Sturzprävention ist ein fortlaufender Prozess, kein einmaliges Projekt. Was heute sicher ist, kann nach einem Krankenhausaufenthalt oder einer neuen Tablette wieder zum Risiko werden. Genau hier setzt die Bezugspflege an: Eine feste Pflegekraft, die den Menschen und seine Wohnung kennt, erkennt Veränderungen früher als wechselndes Personal.
Ein Drittel der Hochbetagten stürzt jährlich 33,5 Prozent der Menschen ab 80 Jahren stürzten 2022 mindestens einmal. Der Hebel für Sie: Prävention beginnt nicht nach dem ersten Sturz, sondern deutlich davor. Quelle: Robert Koch-Institut
Sturzrisiko erkennen: die Warnzeichen
Bevor Sie die Wohnung umbauen, lohnt der Blick auf die Person selbst. Viele Risikofaktoren lassen sich im Alltag beobachten.
Persönliche Risiken zeigen sich oft schleichend: unsicherer Gang, Festhalten an Möbeln, nachlassende Kraft beim Aufstehen oder häufiger Schwindel. Auch Seh- und Hörprobleme erhöhen das Risiko deutlich, weil Hindernisse zu spät wahrgenommen werden.

Besonders unterschätzt: Medikamente. Wirkstoffe, die müde, benommen oder schwindelig machen oder entwässernd wirken, verändern die Standsicherheit spürbar. Nach dem DNQP-Expertenstandard muss die Einschätzung des Sturzrisikos zudem bei jeder relevanten Veränderung der Pflegesituation aktualisiert werden – etwa nach einem Krankenhausaufenthalt, einer Medikationsanpassung oder einem Sturz.
- Gang und Stand: Unsicherheit, Schwanken, Festhalten an Wänden oder Möbeln
- Muskelkraft: Schwierigkeiten beim Aufstehen aus Sessel, Bett oder von der Toilette
- Schwindel und Benommenheit: besonders morgens oder nach dem Aufstehen
- Sinne: verschlechtertes Sehen, unpassende Brille, nachlassendes Hören
- Medikamente: Beruhigungs-, Blutdruck-, Entwässerungs- oder Schlafmittel prüfen lassen
- Frühere Stürze: ein Sturz in den letzten zwölf Monaten ist der stärkste Warnhinweis
- Sturzangst: Vermeidung von Bewegung aus Furcht vor erneutem Hinfallen
Neubewertung nicht vergessen Nach jedem Krankenhausaufenthalt, jeder neuen Medikation und nach jedem Sturz sollte das Sturzrisiko frisch eingeschätzt werden. Eine einmalige Einschätzung reicht nicht aus.
Die Wohnung sturzsicher machen und Bewegung fördern
Die eigentliche Arbeit steckt in den Details – Raum für Raum. Ergänzend entscheidet die tägliche Bewegung darüber, wie stabil jemand bleibt.
Die meisten Stürze passieren im vertrauten Zuhause, an genau den Stellen, die man kaum noch bewusst wahrnimmt. Gehen Sie deshalb systematisch durch jeden Raum – die untenstehende Checkliste hilft dabei. Ebenso wichtig: Bewegung erhält Kraft und Balance. Wer aus Angst weniger geht, verliert genau die Fähigkeiten, die vor Stürzen schützen.

Als besonders geeignet gelten niedrigschwellige Angebote wie Tai Chi, moderates Krafttraining oder Übungen mit Widerstandsbändern; regelmäßige Medikationsanalysen zählen neben dem Training zu den zentralen Bausteinen (Medscape Deutschland). In Frankfurt bieten Seniorentreffs, Vereine und Volkshochschulen entsprechende Sturzpräventionskurse an, die sich gut in den Wochenrhythmus einbauen lassen.
Für bauliche Anpassungen gibt es finanzielle Unterstützung. Der Zuschuss für wohnumfeldverbessernde Maßnahmen muss allerdings vor Beginn der Umbauarbeiten von der Pflegekasse schriftlich genehmigt werden; wird später weiterer Umbau nötig, ist ein erneuter Zuschuss möglich (Bundesministerium für Gesundheit). Beantragen Sie also immer zuerst – und bauen Sie erst danach.
Beratung ins Haus holen Welche Anpassung sinnvoll ist, lässt sich am besten vor Ort einschätzen. Ilda Pflegedienst bietet Hausbesuche zur Beratung an – auf Wunsch auch bereits im Krankenhaus, damit die Wohnung schon vor der Rückkehr sicher ist.
Wenn es doch passiert: Notfall und Nachsorge
Trotz aller Vorsorge kann ein Sturz geschehen. Dann zählt ein ruhiges, geordnetes Vorgehen.
Bewahren Sie zunächst Ruhe und prüfen Sie, ob sich die Person verletzt hat, bevor Sie beim Aufstehen helfen. Bei Verdacht auf einen Bruch, bei starken Schmerzen oder wenn die Person nicht selbst aufstehen kann, gilt: nicht hochziehen, sondern den Notruf 112 wählen.
Nach dem Sturz ist die Dokumentation entscheidend – Uhrzeit, Umstände und mögliche Ursachen. Diese Angaben sind die Grundlage für die neue Risikoeinschätzung. Nehmen Sie außerdem die häufig entstehende Sturzangst ernst: Sie führt dazu, dass Betroffene sich weniger bewegen, wodurch körperliche und geistige Fähigkeiten schneller nachlassen (Stiftung ZQP).
Für genau solche Situationen ist eine verlässliche Erreichbarkeit Gold wert. Eine 24-Stunden-Rufbereitschaft gibt Angehörigen die Sicherheit, auch nachts jemanden ansprechen zu können – ob für eine Einschätzung oder die Frage, ob ärztliche Hilfe nötig ist.
Sturzprävention zu Hause: Die vollständige Checkliste
Phase 1: Risiko einschätzen
- [ ] Gang und Standsicherheit beobachten (Schwanken, Festhalten)
- [ ] Kraft beim Aufstehen aus Sessel, Bett und von der Toilette prüfen
- [ ] Auf Schwindel oder Benommenheit achten, besonders morgens
- [ ] Seh- und Hörfähigkeit kontrollieren, Brille aktualisieren lassen
- [ ] Medikamentenliste mit Arzt oder Apotheke auf Sturzrisiken durchgehen
- [ ] Frühere Stürze der letzten zwölf Monate erfassen
- [ ] Anzeichen von Sturzangst ernst nehmen und ansprechen
Phase 2: Flur und Eingangsbereich
- [ ] Lose Teppiche und Läufer entfernen oder rutschfest fixieren
- [ ] Kabel und herumliegende Gegenstände beseitigen
- [ ] Helle, blendfreie Beleuchtung installieren
- [ ] Bewegungsmelder oder Nachtlicht auf dem Weg zum Bad anbringen
- [ ] Schuhe mit rutschfester Sohle und festem Halt bereitstellen
Phase 3: Badezimmer
- [ ] Haltegriffe an Dusche, Wanne und neben der Toilette montieren
- [ ] Rutschfeste Matte in Dusche und Wanne auslegen
- [ ] Duschhocker oder Badewannenlift bereitstellen
- [ ] Toilettensitzerhöhung anbringen
- [ ] Böden trocken halten, Antirutsch-Beschichtung erwägen
Phase 4: Schlafzimmer
- [ ] Nachtlicht oder gut erreichbaren Lichtschalter installieren
- [ ] Bett auf angenehme Aufstehhöhe bringen
- [ ] Telefon oder Notruf in Reichweite platzieren
- [ ] Wege zum Bett frei von Hindernissen halten
- [ ] Stabilen Nachttisch als Stütze anbieten
Phase 5: Küche und Wohnbereich
- [ ] Häufig genutzte Dinge in gut erreichbarer Höhe lagern
- [ ] Standsichere Trittsicherheit statt wackeliger Hocker sicherstellen
- [ ] Rutschfeste Bodenbeläge prüfen
- [ ] Erhöhte, stabile Sitzmöbel mit Armlehnen bereitstellen
- [ ] Verschüttetes sofort aufwischen
Phase 6: Treppe
- [ ] Beidseitige, durchgehende Handläufe anbringen
- [ ] Trittkanten kontrastreich markieren
- [ ] Ausreichende Beleuchtung oben und unten einrichten
- [ ] Treppenläufer sicher befestigen oder entfernen
- [ ] Bei Bedarf Treppenlift prüfen
Phase 7: Bewegung und Training
- [ ] Feste Trainingszeiten im Wochenplan verankern
- [ ] Aufstehen aus dem Sitzen regelmäßig üben
- [ ] Kurze Gehstrecken bewusst in den Alltag einbauen
- [ ] Kraft- und Balanceübungen wie Tai Chi oder Widerstandsbänder nutzen
- [ ] Sturzpräventionskurs oder Seniorentreff in Frankfurt besuchen
Phase 8: Hilfsmittel und Absicherung
- [ ] Passenden Rollator oder Gehstock anpassen lassen
- [ ] Notrufsystem (Hausnotruf) einrichten
- [ ] Zuschuss für Umbauten vor Baubeginn bei der Pflegekasse beantragen
- [ ] Rufbereitschaft oder ambulante Unterstützung einbinden
Phase 9: Nach einem Sturz
- [ ] Ruhe bewahren und auf Verletzungen prüfen
- [ ] Bei Verdacht auf Bruch nicht aufhelfen, Notruf 112 wählen
- [ ] Sturzumstände, Uhrzeit und mögliche Ursachen dokumentieren
- [ ] Sturzrisiko neu einschätzen lassen
- [ ] Sturzangst ansprechen und Bewegung behutsam wieder aufbauen
Tipp: Speichern Sie diese Checkliste als Screenshot!
Fazit: Mit einer klaren Checkliste Stürze verhindern und Sturzfolgen mindern
Sturzprävention gelingt, wenn Sie systematisch vorgehen: Risiken erkennen, die Wohnung Raum für Raum sichern, Bewegung fördern und für den Ernstfall vorbereitet sein. Kein Punkt allein verhindert einen Sturz – die Kombination macht den Unterschied. Und weil sich die Pflegesituation verändert, bleibt Vorbeugung eine Aufgabe, die immer wieder aktualisiert werden will.
Ihre nächsten Schritte:
- Gehen Sie die Warnzeichen-Checkliste gemeinsam mit dem pflegebedürftigen Menschen durch
- Sichern Sie die Wohnung Raum für Raum anhand der Phasen-Checkliste
- Beantragen Sie den Zuschuss für Umbauten vor Baubeginn bei der Pflegekasse
- Bauen Sie feste Bewegungs- und Trainingszeiten in den Alltag ein
- Vereinbaren Sie eine Wohnraum- und Pflegeberatung bei Ihnen zu Hause in Frankfurt
Lassen Sie sich von Ilda Pflegedienst persönlich beraten – wir kommen zu Ihnen nach Hause.




